Ein Beispiel der interdisziplinären Zusammenarbeit
Kinderurologie - was beinhaltet dieses medizinische Spezialgebiet?
Kinderurologie hat überwiegend mit angeborenen Fehlformen und Fehlfunktionen der Nieren und Harnleiter, der Blase und der Harnröhre zu tun. Diese
|
|
leiterdopplungen Harntransport-
störungen aus der Niere durch Harnleiterverengungen (Harnleiterab-
gangsenge), Urinrückfluß aus der Blase in Richtung Niere (Reflux) oder die Harn-
röhrenfehlmündung (Hypospadie). Nieren und Blasenstörungen betreffen nahezu gleichermaßen Mädchen und Jungen. Bei den Knaben umfaßt die Kinderurologie zusätzlich die Behandlung von Er-
krankungen des äußeren Genitale.
Neben der kindlichen Inkontinenz, dem Einnässen, ist der kindliche Harnwegsinfekt das wichtigste Symptom in diesem Gebiet. Dieser wird zunächst mit Medikamenten behandelt, bei hohem Fieber wird eine Antibiotika-Infusionsbehandlung stationär in der Kinderklinik erforderlich. Bei Harnwegsinfekten im Kindesalter muss immer daran gedacht werden, dass eine anatomische oder funktionelle Ursache dafür vorliegen kann. Deshalb sind Ultraschalluntersuchungen als Basis (keinerlei Belastung für das Kind) und – falls notwendig - weitere diagnostische Maßnahmen sinnvoll. Werden morphologische Ursachen für den Harnwegsinfekt aufgedeckt, kann eine operative urologische Behandlung erforderlich sein, die dann auch im Klinikum Itzehoe durchgeführt werden kann. Alle urologischen Eingriffe bei Kindern unter 14 Jahren werden unter einer schonenden Vollnarkose durchgeführt.
Die Entwicklung der Kinderurologie war in den letzten Jahren zum einen gekennzeichnet durch ein besseres Verständnis der pathophysiologischen Eigenschaften des kindlichen Harntraktes und seiner Fehlbildungen. Bei verschiedenen Störungen ist die Behandlungsstrategie heute deutlich „konservativer“ als früher (also: weniger Eingriffe), da durch Langzeitbeobachtungen klarer geworden ist, bei welchen Erkrankungen ein Abwarten und Kontrollieren zu gleich guten Langzeitresultaten führt wie eine operative Maßnahme. Umgekehrt muß durch die Untersuchungen im Verlauf der Entwicklung des Kindes klar werden, ob und zu welchem Zeitpunkt behandelt, d. h. dann eventuell: operiert werden sollte. Gerade in jüngster Zeit sind den urologischen Operateuren auch für die Kinder hochmoderne operative Methoden an die Hand gegeben, die die Bezeichnung „minimal invasiv“ (wenig belastend) auch verdienen.
Die kinderurologische Versorgung kann nur durch enge Kooperation zwischen den Urologen und Kinderärzten der Praxen und der Kliniken erfolgreich sein. Nur so lassen sich Sie die medizinische Fortschritte der letzten Jahre im Einzelfall auch erreichen.
Im Klinikum Itzehoe wird die Betreuung und Behandlung auf diesem anspruchsvollen Gebiet durch eine enge Zusammenarbeit von Kinderklinik, Anästhesie und Urologie beispielgebend umgesetzt.
Die meisten kinderurologischen Eingriffe werden im Klinikum Itzehoe ambulant durchgeführt. Die Chefärzte der Kinderklinik, Anästhesie und Urologie und Kinderurologie erarbeiteten zusammen mit den zuständigen Seketärinnen und leitenden Pflegekräften ein Modell, um gerade auch die Voruntersuchungstermine für ambulante Operationen auf einen einzigen Vormittag zu komprimieren und für einen möglichst reibungsarmen, zeitsparenden Ablauf zu sorgen. Diese Regelung hat sich für die Eltern mit ihren Kindern und die Mitarbeiter der Klinik bewährt:
Ambulante kinderurologische Eingriffe (Phimosen, Leistenhoden, Blasenspiegelungen, usw.) werden am Freitag Vormittag durchgeführt. Am Dienstag Nachmittag zuvor erfolgen nacheinander die kinderärztlichen und urologischen Untersuchungen sowie die Gespräche und Aufklärungen durch den Urologen und Anästhesisten. Am freitäglichen OP-Tag werden die Kinder in der Kinder-klinik betreut, dann operiert und mittags oder am frühen Nachmittag wieder nach Hause entlassen. Am Sonnabend erfolgt dann in der Urologie die ärztliche Nachuntersuchung, ob alles nach der Operation ordnungsgemäß verlaufen ist. Die weiteren Nachkontrollen erfolgen dann wieder in den behandelnden Praxen.
Umfangreichere Operationen (wie z. B. Niereneingriffe oder Hypospadiekorrekturen) erfordern einen stationären Aufenthalt. Die Kinder befinden sich dann in der Kinderklinik, oft wird ein Elternteil mit stationär aufgenommen („rooming in“). Die Operation und Nachbehandlung erfolgt durch die Urologen. Eine intensivmedizinische Behandlung ist zwar nach einem Eingriff nur sehr selten notwendig, falls sie aber doch erforderlich sein sollte, besteht hier die Möglichkeit auf der pädiatrischen Intensivstation (Station 1), die natürlich speziell auf die Erfordernisse der Kleinen und Kleinsten ausgerichtet ist. Sie sehen, wie eng verzahnt gerade bei Kindern die Arbeit der Urologen, Kinderärzte und Anästhesisten sein muss.
Selbstverständlich steht das Klinikum für kindliche Notfälle rund um die Uhr bereit. Für die Kinderurologie sollen zwei Notfallsituationen exemplarisch erwähnt werden: Der akute Hodenschmerz und der fieberhafte Harnwegsinfekt.
Beim akuten Hodenschmerz beim Kind gibt es für die Eltern nur eine Regel : es ist keine Zeit zu verlieren. Am besten sofort in die Klinik. Denn es könnte sich beim akuten Hodenschmerz um eine Hodenverdrehung mit dem Resultat einer Durchblutungsstörung handeln, und das „überlebt“ ein Hoden nur etwa 6 Stunden. Mit einem kleinen Notfalleingriff wird der Hoden dauerhaft gerettet.
Auch ein fieberhafter Harnwegsinfekt kann gefährlich werden, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird. Bei schweren Infektionen stehen der Flüssigkeits-ausgleich und die Antibiotikagabe im Vordergrund.
Wir bemühen uns im Klinikum Itzehoe, auch und gerade die Kinder bestmöglich und auf hohem medizinisch Niveau kinderurologisch zu behandeln. Eingriffe werden, wenn irgend möglich, ambulant durchgeführt. Wir sehen immer auch die Einbindung an die Familie, deshalb das Angebot des „rooming in“ und die Möglichkeit, das Kind - wenn es stationär bleiben muss - zu nahezu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen zu können. Es ist schließlich Ihr Kind.
