Mit einer hochmodernen, minimal-invasiven Technik kann jetzt die Belastungsinkontinenz des Mannes in der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Klinikums Itzehoe beseitigt werden.
Der unwillkürliche Harnabgang (Inkontinenz) ist als ungewünschte Folge von großen Prostataeingriffen wie der Radikalen Prostatektomie eine nicht mehr sehr häufige, aber typische Beeinträchtigung. Während vor 15 Jahren noch 30 % der Patienten nach Prostataentfernung dauerhaft inkontinent waren, sind es jetzt glücklicherweise nur noch 5-8 %. Der Rückgang ist die Folge eines verfeinerten anatomischen Wissens und eines höheren Trainingszustandes der Operateure.
Tritt die typische Belastungsinkontinenz nach der Prostata-Operation ein, ist dies zunächst kein Drama, weil sich dieser Zustand meist schnell bessert.
Helfen kann allein schon die Zeit, die eine Kräftigung und Regeneration der Muskulatur des Schließmuskels und Beckenbodens mit sich bringt. Unterstützend sind Beckenbodengymnastik und auch Medikamente hilfreich.
Diejenigen Patienten allerdings, bei denen sich 12 Monate nach der Operation noch immer keine vollständige Urinkontrolle eingestellt hat, ist die Hoffnung auf weitere Spontanheilung sehr gering. Konservative, d. h. nicht-operative Maßnahmen werden jetzt nicht mehr zum Erfolg, d. h. zur normalen Kontinenz führen können.
Auf Dauer bedeuten Vorlagen, Bettunterlagen oder Penisklemmen zur Urinkontrolle eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität und der sozialen Aktivitäten. Als Alternative gab es bis dato nur eine Möglichkeit: die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels. Dabei handelt es sich um ein dreiteiliges Produkt. Zu diesem Kunststoffsystem gehört eine kleine Pumpe, die im Hodensack versenkt wird und dort getastet werden kann. Die Betätigung ist zwar erlernbar, wird aber mit zunehmendem Alter von Pumpe und Patient schwieriger.
Um Hilfe für diese Gruppe von Betroffenen (in unserer Klinik unter 7 % der wegen Prostatakrebs operierten) geht es bei dem neuen OP-Verfahren, das den Namen ProAct trägt.
Mit ProAct gibt es nun eine neue Möglichkeit, die Kontinenz mit einer sicheren und einfachen, wenig belastenden operativen Methode wiederherzustellen . Hier verschliessen zwei kleine Kunstoffballone die Harnblase. Besser gesagt, sie unterstützen den geschädigten Schließmuskel .
Der besondere Clou ist, dass diese Ballone bei Bedarf mit einer kleinen Spritze durch die Haut nachjustiert werden können.
Technik: Es werden nur zwei ca. 15 mm lange Schnitte am Damm benötigt. Dadurch können die Kunststoffballone samt Zuführungsschlauch und Ventil unter Röntgenkontrolle an den richtigen Ort geschoben werden. Die Ballone werden mit 1 ml Flüssigkeit gefüllt. Die beiden Ventile werden so unter die Haut des Hodensacks gelegt, dass darüber später mühelos nachjustiert werden kann. Meist müssen die Ballone nach einigen Wochen einmal etwas nachgefüllt werden, ehe der optimale Schließdruck erreicht ist. Dabei empfindet der Patient dann nur einen Piecks.
Nach der kleinen Operation kann der Patient am selben Tag aufstehen, essen und trinken und etwa nach zwei Tagen die Klinik verlassen.
In der Urologie des Klinikums Itzehoe wurden im Februar 2005 die ersten ProAct-Ballone problemlos eingesetzt. Für die einige Patienten hatte bald die jahrelange Inkontinenz ein Ende, sie konnten wieder normal Wasser lassen und tragen keine Vorlagen mehr. Andere benötigten zumindest deutlich weniger Vorlagen als zuvor. Damit haben sie nicht nur den Krebs besiegt (durch die Jahre zurückliegende Prostataentfernung) sondern auch die Inkontinenz. Die Lebensqualität steigt dadurch sprunghaft an. In einigen Fällen funktionierte diese Technik nicht. Wiederholungsbehandlungen wie auch alle anderen Methoden sind weiter möglich.
Die Ergebnisse auch anderer Kliniken sind ausgesprochen ermutigend und die Patienten meist sehr zufrieden. Dieses Inkontinenz-Verfahren stellt einen großen Fortschritt in der Inkontinenz-Behandlung des Mannes dar.
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