Sportliche Betätigung als Krebstherapie verstehen lernen
Das MediFit hat sich seit seiner Eröffnung bei den Patienten des Klinikums Itzehoe einen guten Namen gemacht. Es möchte sich künftig mit seinen Angeboten verstärkt auch an Brustkrebspatientinnen wenden.
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Wie bereits der Vortrag im November 2009 zur Früherkennung von Brustkrebs war auch diese Veranstaltung sehr gut besucht. Diesmal ging es um die Belastbarkeit nach einer Brustkrebsoperation: Was kann ich für mich tun? Welche Verhaltensregeln gibt es für mich? Was tut mir gut oder was schadet mir? Viele Ungewissheiten, auf die sich die Anwesenden Antworten für die am häufigsten auftretende Krebserkrankung der Frau erhofften.
Nach der Begrüßung führte Chefarzt Dr. Heilenkötter mit dem Verlesen des Briefes einer ehemaligen Patientin in das Thema ein. In ihrem Erfahrungsbericht stellt sie die Bewältigung der schwierigen Situation nach einer Brustkrebsoperation dar. „Sie hat über den Sport zurück ins Leben gefunden und sagt über sich selbst: Ich bin geheilt!“, so Dr. Heilenkötter. Er ergänzte, „Getreu den Zeilen des Liedes von Marius Müller-Westernhagen ...Ich bin wieder hier... in meinem Revier...war nie wirklich weg... hab mich nur versteckt... begann sie ein und ein viertel Jahr später wieder ihren ersten Wettkampf.“ Dieses Beispiel kann allen Betroffenen Mut machen, sich etwas zuzutrauen und damit eigeninitiativ den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Dr. Angela Kentsch, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Itzehoe ging anschließend in ihrem Vortrag aus ärztlicher Sicht auf das „Medikament“ Sport ein. Dabei ließ sie die einzelnen Stationen des Krankheitsverlaufes Revue passieren, ging auf die Höhen und Tiefen vor und nach der Operation sowie die sich daran anschließende Chemotherapie ein. „Dreimal 20 Minuten Sport pro Woche, aber auch nicht weniger“, so Dr. Kentsch, „führt laut Untersuchungen und Studien zu einem erheblich verbesserten Krankheitsverlauf und natürlich auch Wohlbefinden.“ Sie betonte, dass sich Patientinnen mit angepasst dosiertem Training auch aus Erschöpfungszuständen befreien können. Ideale Sportarten sind unter anderem Walken, Joggen, Laufen, Radfahren und Schwimmen. Dagegen sollte von Bodybuilding, Kampfsport sowie Marathon abgesehen werden. „Es kommt nicht auf Höchstleistungen, sondern auf die regelmäßige Betätigung an und dies auch nur dann, wenn ihr Körper es zum gegenwärtigen Zeitpunkt zulässt“, schloss Dr. Kentsch ihren Vortrag.
Nach einer kurzen Pause, die zum persönlichen Austausch von Erfahrungen und Gesprächen genutzt wurde, ging es zur praktischen Umsetzung der zuvor von Dr. Kentsch angesprochenen Möglichkeiten.
Die leitende Physiotherapeutin im Klinikum Itzehoe, Karin Averdunk, verstand es, die unterschiedlichen Trainingsformen einzelnen Sportarten zuzuordnen. Der Einstieg in eine Sportart mit anfangs zehn Minuten – und dann langsam steigern – kann ein guter Start sein.
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Aber auch regelmäßige Spaziergänge, Radfahren und die Benutzung der Treppe anstatt des Fahrstuhls sind wichtige Bewegungsfelder. „Die Anleitung zur richtigen Bewegung sollte mit einem Therapeuten abgestimmt sein“, sagte Karin Averdunk. „Weniger und Richtig ist oft mehr!“ Sie schilderte dann, welch positiven Einfluss vermehrte Bewegung auf Körperfunktionen und das Lymphdrüsengewebe hat. Natürlich sollten die Anwesenden auch eine praktische Anleitung erhalten, so wurde spontan eine Gleichgewichts- und Koordinationsübung zur Freude aller in die Tat umgesetzt. Karin Averdunk wies auf die vielen guten Angebote der Sportvereine und aktiven Gruppen im Kreis Steinburg hin. Sie selbst steht jederzeit für individuelle Fragen hinsichtlich sportlicher Betätigung zur Verfügung und will Ansprechpartnerin für Kursleiter und Teilnehmer sein. Karin Averdunk gab den Hinweis auf das MediFit im Klinikum Itzehoe mit seinen speziell ausgestatteten Geräten und den auch medizinisch geschulten, kursleitenden Therapeutinnen. Ein Spendengutschein an die Onkologie kann jetzt für Teilnehmer eingesetzt werden.
Nach den Vorträgen mussten noch viele Fragen zum Saunieren, Schwimmen, Laufen und Wohlbefinden von Dr. Heilenkötter und den Referentinnen beantwortet werden. Die Nutzung des Solariums als Wohlfühlquelle nach dieser OP wurde strikt abgelehnt. Eine Teilnehmerin der Veranstaltung berichtete von sich selbst und ihrem Wohlbefinden und gestiegenem Selbstwertgefühl, das sie durch das Laufen, erst allein und später in einer von ihr initiierten Laufgruppe, erfahren hat. Auch wurde es aus der Teilnehmerrunde heraus sehr begrüßt, was hinsichtlich der Betreuung und Information von Brusterkrankten in den letzten Jahren vom Klinikum Itzehoe angeboten wird.
Mit einem Dank an die Referentinnen beendete die Pflegeexpertin für Brusterkrankte, Ingrid Pape, diese Veranstaltung, jedoch nicht, ohne dem Wunsch der Anwesenden nachzukommen: Für den Herbst kündigte sie die nächste Veranstaltung „Wissen hilft! - Ernährung und Brustkrebs“ an.
Ingrid Pape
Pflegeexpertin für Brusterkrankte
Breast Care Nurse
Zertifizierte MammaCare®-Trainerin
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